Hausmaus

Ein dominantes autosomales Warfarin-Resistenzgen wurde auf Chromosom 7 bei Hausmäusen bestimmt. Drei VKORC1-Sequenzvarianten, die zu einer Resistenz gegen Antikoagulanzien führen, scheinen weit verbreitet zu sein: Tyr139Cys (Y139C), Leu128Ser (L128S) und eine Gruppe von verknüpften Sequenzvarianten Arg12Trp / Ala26Ser / Ala48Thr / Arg61Leu (spretus-Introgression).

Hausmäuse, die die homozygote Y139C-Sequenzvariante in sich trugen, zeigten eine hohe Resistenz gegen Warfarin und Bromadiolon.

Forschungen in Großbritannien mit einem Stamm von Hausmäusen, die die homozygote Leu128Ser-Sequenzvariante in sich trugen, zeigten, dass solche Mäuse gegen Warfarin und vermutlich andere Antikoagulanzien der ersten Generation resistent waren. Einige Individuen überlebten auch Choice- und No-Choice-Studien mit Bromadiolon und Difenacoum. Scheinbar ermöglicht die Mutation einigen Mäusen, ihren Vitamin-K-Metabolismus zu stabilisieren, selbst wenn sie hochpotente Antikoagulanzien über längere Zeiträume einnehmen.

Die dritte VKORC1-Sequenzvariante (Arg12Trp/Ala26Ser/Ala48Thr/Arg61Leu) wurde vermutlich durch interspezifische Hybridisierung von Mus spretus, einer auf der Iberischen Halbinsel und Nordafrika vorkommenden Art, auf Mus musculus übertragen, und dann vermutlich schnell über weite Entfernungen per Frachttransport von einzelnen Tieren verbreitet. Obwohl der phänotypische Effekt noch verifiziert werden muss, ist bekannt, dass dieser mit einem wesentlichen Verlust der antikoagulatorischen Wirksamkeit von Antikoagulanzien der ersten Generation (z. B. Warfarin, Coumatetralyl) sowie den Wirkstoffen der zweiten Generation, Bromadiolon und höchstwahrscheinlich Difenacoum, verbunden ist.

Studien zeigten, dass Geschlechts- und Modifikatorgene, die die Ausprägung des Resistenzgens beeinflussen, sich auf die Ausprägung des Genotyps bei Hausmäusen auswirken. Es ist auch bekannt, dass Variationen des Metabolismus und des Abbaus des Wirkstoffs im Körper die Wirksamkeit von Antikoagulanzien beeinflussen, was wahrscheinlich mit der Entgiftung durch den Enzymkomplex Cytochrom P450 einhergeht.

Tabelle 3a: Einer der wichtigsten Polymorphismen im VKOR, der nachweislich Antikoagulanzienresistenz bei der Hausmaus (Mus musculus) induziert, mit den Resistenzfaktoren bei männlichen und weiblichen resistenten Mäusen, basierend auf BCR-Daten. Zudem sind die ED50 -Werte für männliche und weibliche Tiere in mg/kg des Körpergewichts des empfindlichen Ausgangsstamms angegeben. Die Daten in dieser Tabelle sind das Ergebnis von Arbeiten, die vom RRAC finanziert, und von Dr. C. Prescott und Frau Mhairi Stevens (Universität von Reading, UK) durchgeführt wurden.


VKORResistenzfaktoren bei männlichen/weiblichen homozygoten Hausmäusen
Anfällige Stämme ED 50 : (männlich/weiblich)BromadiolonDifenacoumBrodifacoumFlocoumafenDifethialon
1,96 / 1,680,85 / 0,560,39 / 0,350,51 / 0,440,83 / 0,83
Y139C17 / 211,2 / 2,71,7 / 1,90,9 / 1,21,5 / 1,5

Tabelle 3b: Resistenzfaktoren für antikoagulante Rodentizide der ersten Generation beim homozygoten Y139C Stamm der Hausmaus.  Die Daten stammen von Prescott, Baxter, Coan, Jonses, Rymer und Buckle (University of Reading).


VKORResistenzfaktoren bei männlichen/weiblichen homozygoten Mäusen
Anfällige Stämme ED50: (männlich/weiblich)ChlorphacinonCoumatetralylDiphacinonWarfarin-Natrium
0,86 / 0,861,95 / 5,020,91 / 0,911,50 / 1,50
Y139C628 / 62832 / 21539 / 539275 / 534

Tabelle 5: Polymorphismen der VKOR, die nachweislich Resistenzen gegen Warfarin bei der Hausmaus (Mus musculus) induzieren, und Wirkstoffe, die zu deren Bekämpfung empfohlen wurden (+). Gegen die Wirkstoffe resistente Stämme sind mit (-) markiert.


VKOR PolymorphismFür die Bekämpfung empfohlene (+) und nicht empfohlene Wirkstoffe
StammFirst-generation anticoagulantsBromadiolonDifenacoumBrodifacoumFlocoumafenDifethialon
L120Qkeine Daten verfügbar+++
L128S--++++
Y139C--++++
Y139Sno data available+++
R12W/A26S/ A48T/R61L (spretus-Introgression strain)---+++