Antikoagulanzien der zweiten Generation

Alle gerinnungshemmenden Rodentizide wirken in der gleichen Weise, d.h. es kommt zu einer Störung der Synthese von Gerinnungsfaktoren, die zu Blutung und Tod führt. In den Leberzellen wird das biologisch inaktive Vitamin K 1 -2,3-Epoxid durch ein mikrosomales Enzym zum biologisch aktiven Vitamin K reduziert, das für die Synthese von Prothrombin und anderen Gerinnungsfaktoren entscheidend ist. Rodentizide auf Antikoagulanzienbasis antagonisieren das Enzym Vitamin K 1 -Epoxid-Reduktase in der Leber, was zu einer allmählichen Verarmung des Vitamins und folglich von Vitamin K-abhängigen Gerinnungsfaktoren führt. Dadurch wird die Blutgerinnungszeit soweit verlängert, bis der Gerinnungsmechanismus versagt. Antikoagulanzien werden weltweit hauptsächlich für die Bekämpfung von kommensalen Nagetieren, hauptsächlich von Wanderratten, Schiffsratten und Hausmäusen, eingesetzt. Es wurden etwa zehn gerinnungshemmende Rodentizide auf den Markt gebracht. Zur Veranschaulichung von deren Eigenschaften werden einige davon im Folgenden beschrieben. Einige davon wurden für die Bekämpfung von kommensalen Nagetieren registriert.

Die Antikoagulanzien der zweiten Generation sind akut toxischer als die Antikoagulanzien der ersten Generation. Deren höhere Potenz hängt mit ihrer größeren Affinität zur Vitamin-K-Epoxid-Reduktase zusammen. Bromadiolon und Difenacoum waren die ersten Wirkstoffe der zweiten Generation auf dem Markt. Die drei wirksamsten Antikoagulanzien sind Brodifacoum, Flocumafen und Difethialon.

Bei Wanderratten und Hausmäusen sind keine praktische Resistenzen gegen die drei potentesten Antikoagulanzien der zweiten Generation bekannt.

Bromadiolon hat ähnliche chemische und biologische Auswirkungen wie Difenacoum. Es ist jedoch nicht ganz so potent wie Brodifacoum, Difethialon und Flocoumafen. Es wurde wie Difenacoum in 1970er Jahren entwickelt und auf den Markt gebracht. Obwohl Bromadiolon zu den Antikoagulanzien der zweiten Generation gehört, wurde bei einigen Nagerstämmen eine Resistenz dagegen festgestellt. Bei bestimmten Warfarin-resistenten Stämmen ist der Wirkstoff allerdings wirksam.</p>

Difenacoum wurde, wie die anderen SGARs, eingeführt, um ein wirksames Antikoagulant gegen die ersten auftretenden resistenten Stämme zu haben, die in Großbritannien und auf dem europäischen Festland entdeckt worden waren. Es ist ein ungewöhnliches Mittel unter den Antikoagulanzien, weil es auf Basis der akut oralen LD50 potenter gegen Hausmäuse als gegen Wanderratten ist. Wie bei Bromadiolon wurden bei bestimmten Stämmen von Ratten und Mäusen allerdings Resistenzen gegen Difenacoum festgestellt.

Brodifacoum unterscheidet sich von den Antikoagulanzien der ersten Generation und den oben genannten Antikoagulanzien der zweiten Generation darin, dass es sehr potent ist und eine relativ geringe Einzeldosis reicht, um den Tod herbeizuführen. Antikoagulanzien der zweiten Generation wie Brodifacoum spielen eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Ratten und Mäusen, die eine Resistenz gegen Antikoagulanzien der ersten Generation und Bromadiolon sowie Difenacoum entwickelt haben. In der Neuen Welt wurde es jedoch bekannter für seine Rolle bei der Ausrottung eingeschleppter Nagetiere aus Naturschutzgebieten auf Inseln. Nach dem Einsatz von Brodifacoum und anderen Antikoagulanzien besonders der zweiten Generation wurden Rückstände in Wildtieren nachgewiesen.

Flocoumafen und Brodifacoum ähneln sich hinsichtlich ihrer chemischen Zusammensetzung, biologischen Aktivität und Wirksamkeit, Persistenz und des Risikos einer sekundären Vergiftung. Bei Flocoumafen handelt es sich um ein Antikoagulant der zweiten Generation, das in den frühen 80er Jahren entwickelt wurde. Flocoumafen wird gegen eine breite Palette von Nagetieren einschließlich der wichtigsten kommensalen Arten eingesetzt. Es ist ebenfalls effizient gegen Nagetiere, die resistent gegen andere gerinnungshemmende Rodentizide geworden sind.

Difethialon: Im Gegensatz zu Brodifacoum, das Brom in seiner molekularen Form enthält, und Focoumafen, das Fluor enthält, beinhaltet Difethialon ein Schwefelatom. Difethialon ist ähnlich potent wie die beiden obigen Wirkstoffe.