Definitionen

Erworbene Resistenz tritt als Ergebnis von genetischen Veränderungen aufgrund von Mutation oder dem Erwerb von genetischem Material auf, das eine stabile und erbliche Abnahme der Empfindlichkeit gegen ein oder mehrere Rodentizide verleiht.

Verhaltensresistenz ist ein Phänomen, das das Ergebnis einer Verhaltensänderung ist, die einzelnen Tieren oder Gruppen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit verleiht, den Einsatz von Rodentiziden oder andere Behandlungsmethoden, wie etwa das Aufstellen von Fallen, zu überleben. Diese Eigenschaft kann auffallen, z.B. bei der Meidung von Rodentizidködern oder anderen Mittel der Bekämpfung, wie wie Köderboxen und Fallen. Es sind nur wenige veröffentlichte wissenschaftliche Studien über Verhaltensresistenzen durchgeführt worden, und bisher wurde in keiner Studie ein genetisches Element bestätigt. Es wird jedoch postuliert, dass bei einem signifikanten Teil der Resistenzen im L120Q-Fokus der Antikoagulansresistenz im zentralen Süden Englands eine Verhaltenskomponente vorliegt.

Blutgerinnungsreaktionstest (BCR-Test) ist eine einfache und schnelle nicht-letale Methode zur Bestimmung der Empfindlichkeit oder der Resistenz gegen Antikoagulanzien. Hier wird eine bestimmet Dosis eines Antikoagulans, von der bekannt ist, dass sie die Blutgerinnung zu einem bestimmten Prozentsatz bei empfindlichen Tieren beeinträchtigt, entweder über Schlundsonde oder Injektion verabreicht. Wenn der erwartete Gerinnungseffekt nicht eintritt, wird das getesteten Tiere als als resistent bezeichnet.

Kreuzresistenz tritt auf, wenn ein Individuum gegen einen Wirkstoff resistent ist und dadurch auch resistent gegen einen oder mehrer andere Wirkstoffen ist - gewöhnlich ähneln sich diese Wirkstoffe in ihrer chemischen Verbindung. Zum Beispiel wird allgemein angenommen, dass Resistenz gegen eines der Antikoagulanzien der ersten Generation eine Resistenz gegen mindestens einigen der anderen Wirkstoffen der ersten Generation vermittelt.

Co-Resistenz tritt auf, wenn ein Individuum mehr als eine Art von Resistenzmechanismus besitzt. Es gibt einige Beispiele für dieses Phänomen bei Nagern, aber es kommt vergleichsweise oft bei Insekten vor.

Ökotoxikologie ist die Untersuchung der Wirkung giftiger Substanzen in ökologischen Systemen.

Enzym ist ein komplexes organisches Molekül, normalerweise ein Protein, das eine chemische Reaktion in einem Tier oder einer Pflanze ermöglicht bzw. beschleunigt (oder katalysiert).

Antikoagulans der ersten Generation, bezeichnet Wirkstoffe der ersten Generation, die vor allem in den 1950er und 1960er Jahren entwickelt wurden. Der erste war Warfarin. Die am häufigsten eingestzten Wirkstoffe der ersten Generation sind Chlorophacinon und Diphacinon (Indan-Dione), sowie Coumachlor, Coumatetralyl und Warfarin (Hydroxycumarine). (Siehe Antikoagulans der zweiten Generation.)

Gen, ein begrenztes Stück genetisches Material, normalerweise eine Reihe von Nukleotiden an einer bestimmten Stelle in der DNA, das für eine bestimmte erbliche Eigenschaft verantwortlich ist. Gene mutieren, wenn sich die Nukleotidsequenz ändert. Gene können in alternativen Formen existieren, die Allele genannt werden.

Genom ist die Gesamtheit von Genen und anderem genetischen Material in den Zellen eines Tieres oder einer Pflanze. Das Genom befindet sich innerhalb eines Chromosomensatzes, der in fast allen Säugetierzellen vorkommt.

Heterozygote Tiere besitzen zwei verschiedene Kopien desselben Gens, eines vom Vater und das andere von der Mutter. Normalerweise ist eine der Kopien dominant und eine rezessiv, so dass die dominante Kopie die Art der relevanten Eigenschaft bestimmt. (Siehe Homozygot.)

Homozygote Tiere besitzen zwei ähnliche Kopien desselben Gens, eines vom Vater und das andere von der Mutter. (Siehe Heterozygot.)

Integrierte Schädlingsbekämpfung (oft als IPM abgekürzt) ist ein Begriff für die Verwendung einer Reihe sich ergänzender Bekämpfungsmethoden und die anschließende Integration geeigneter Maßnahmen, die die Entwicklung von Schädlingsbefall hemmen und Pestizide und andere Eingriffe auf einem wirtschaftlich vertretbaren Niveau halten, oder Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt reduzieren oder minimieren.

Intrinsische Resistenz tritt bei Tieren auf, die in der Lage sind, verabreichte Dosen einer chemischen Substanz zu überstehen, die normalerweise tödlich für andere Tiere derselben oder einer anderen Art sind. Zum Beispiel können normal empfindliche (d.h. nicht antikoagulansresistente)  Hausmäuse Dosen von Antikoagulanzien überleben, die für Wanderratten häufig tödlich sind. Dies liegt daran, dass die Art „an sich“ weniger empfindlich gegen Antikoagulanzien ist. Es handelt sich dabei NICHT um „Resistenz“ im eigentlichen Sinne, spielt aber eine wichtige Rolle bei der Anwendung von Antikoagulanzien gegen diese Tierart.

Mutation findet statt, wenn sich die Sequenz von Nukleotiden in einem Gen verändert. Eine Mutation kann zu einer nachweisbaren Veränderung der Expression des Gens führen (siehe unten) - eine „Missense-Mutation“. Wenn die Mutation keine nachweisbare Wirkung auf die Expression des Gens hat, handelt es sich um eine „stille Mutation“.

Phänotyp ist die gesamte Zusammensetzung und äußere Erscheinung der genetischen Merkmale eines Individuums, wie er in seinen physischen und biochemischen Eigenschaften gesehen wird. Zum Beispiel ist die phänotypische Expression einer Resistenzmutation die Fähigkeit, die Behandlung mit einem Antikoagulant zu überleben.

Resistenz ist ein Begriff mit mehreren aktuellen Definitionen. Die von RRAC hier verwendete Definition ist die von Greaves (1994): Die Antikoagulansresistenz besteht in dem Hauptverlust der Wirksamkeit unter praktischen Bedingungen, bei denen das Antikoagulant korrekt angewendet wurde, und der Verlust der Wirksamkeit auf das Vorhandensein eines Nagetierstamms mit einer vererbbaren und entsprechend verringerten Empfindlichkeit für das Antikoagulans zurückzuführen ist. Diese Definition hat drei wichtige Aspekte: 1) ein messbarer Verlust der Wirksamkeit, der für Fachleute offensichtlich ist, 2) korrekte Anwendung, und 3) eine vererbbare Grundlage. Es kann als praktische Resistenz bezeichnet werden. Eine alternative Definition, die kürzlich von der Europäischen Kommission verwendet wurde, ist: Eine erbliche Abnahme der Empfindlichkeit bei einem Mangel an Empfindlichkeit eines Organismus gegen eine bestimmte Behandlung mit einem Mittel unter bestimmten Bedingungen. Dieser Definition fehlt die Anforderung, dass Resistenz einen tatsächlichen Einfluss in der Praxis haben sollte. Der Begriff „technische Resistenz“ bezieht sich auf Resistenzen, bei denen eine konsistente und messbare Veränderung der Empfindlichkeit beobachtet wird, die aber keine Auswirkung in der Praxis hat.

Resistenzsfaktor ist ein Ausdruck, der verwendet wird, um den Grad oder die Schwere der Resistenz zu beschreiben. Der Resistenzsfaktor wird für eine spezifische Dosis-Perzentile (normalerweise das 50., 90., 95. oder 99. Perzentil) aus dem Quotienten der Dosen berechnet, die erforderlich sind, um empfindliche bzw. resistente Tiere zu töten (oder eine Wirkung zu erzielen). Wenn beispielsweise die LD50 eines Wirkstoffs bei empfindlichen Nagetieren bei 2,5 mg/kg und bei resistenten Nagetieren bei 25,0 mg/kg liegt, so beträgt der Resistenzfaktor 10.

Einzelnukleotid-Polymorphismus (oder SNP, ausgesprochen Snip) tritt auf, wenn sich ein einzelnes Nukleotid in der DNA-Sequenz bei Individuen innerhalb einer Spezies unterscheidet

Antikoagulans der zweiten Generation, einer der  Rodentizid-Wirkstoffe, die vor allem in den 1970er und 80er Jahren als Antwort auf Resistenzentwicklungen gegen der Wirkstoffen der ersten Generation entdeckt wurden. Die fünf Antikoagulanzien der zweiten Generation sind (in der Reihenfolge ihrer chronologischen Einführung) Difenacoum, Bromadiolon, Brodifacoum, Flocoumafen und Difethialone. Difenacoum und Bromadiolon werden manchmal als „Mehrfachfütterungs“-Wirkstoffe bezeichnet, da bei Nagetieren normalerweise mehr als eine Fütterung für einen tödlichen Effekt benötigt wird. Die anderen drei Wirkstoffe werden Einzelfütterungsmittel (single dose) genannt, da oft (aber nicht ausnahmslos) die einzelne Aufnahme schon für die Letalität ausreicht. Es kommt nun unter Ratten und Mäusen zu Resistenzen gegenüber Difenacoum und Bromadiolon, aber bei den anderen drei „Einzelfütterungs“-Wirkstoffen wurde keine praktische Resistenz beobachtet. (Siehe Antikoagulans der ersten Generation.)

Toleranz ist ein Begriff, der manchmal in Diskussionen über Resistenzen auftaucht. Es gibt keine allgemein anerkannte Definition. Physiologische Toleranz gegenüber einem chemischen Wirkstoff kann durch Einnahme von zunehmend größeren Dosen erworben werden. Der Begriff wird jedoch auch verwendet, um Individuen zu beschreiben, die innerhalb der Normalverteilung der Empfindlichkeit am Ende der Verteilung liegen, die also weniger empfindlich sind als die empfindlichsten Individuen. Daher kann sich Toleranz in einer Population von Nagetieren entwickeln, wenn eine schlechte Anwendungspraxis, möglicherweise die Verwendung von unzureichenden Mengen an Ködern, zur Entfernung der am meisten empfindlichen Tiere und zum Überleben der am wenigsten empfindlichen Tiere führt.

Empfindlich ist ein relativer Begriff, um Tiere zu beschreiben, die mit einem Rodentizid-Wirkstoff bekämpft werden können - daher wird der Begriff oft als das Gegenteil von resistent verwendet. Empfindliche Stämme und Populationen von Nagetieren sind diejenigen, unter denen keine Individuen sind, die Resistenzmutationen in sich tragen, oder die Häufigkeit des Auftretens einer Mutation ist so gering, dass sie nicht durch normale experimentelle Verfahren nachgewiesen werden kann.