Bekämpfung von Resistenzherde

Wenn an Standorten gearbeitet wird, an denen eine Resistenz vorhanden sind, ermöglicht die Analyse der vorhandenen spezifischen Resistenzmutation die Umsetzung der wirksamsten Strategie in der Nagerbekämpfung. Diese Strategie beinhaltet die genaue Einhaltung von Best-Practice-Verfahren und Empfehlungen für die Verwendung der produkte gemäß Label. Im Zweifelsfall sollten Sie sich von den Herstellern, Vertreibern oder den zuständigen Behördern über die örtlichen Gegebenheiten beraten lassen.

Wenn alle anderen Ursachen für den Fehlschlag der Bekämpfung ausgeschlossen sind, aber eine Resistenzbestätigung durch DNA-Sequenzierung nicht oder nicht in einem angemessenen Zeitraum möglich ist, ist es eine gute Strategie, einen integrierten Ansatz in der Schädlingsbekämpfung von Nagetieren  anzuwenden (siehe auch Nagerbekämpfung), gegebenenfalls einschließlich der Anwendung eines Produkts, das eines der wirksamsten Antikoagulanzien, Brodifacoum, Difethialone und Flocoumafen, oder ein Nicht-Antikoagulans enthält.

Für den Umgang mit resistenten Wanderratten bei Kenntnis der vorliegenden Resistenzmutation finden sich Empfehlungen für den Einsatz gerinnungshemmende Rodentizide gegen diese Stämme in Tabelle 4 und Tabelle 5 . Es wird empfohlen, die Produkte mit dem entsprechenden Wirkstoff mit der höchsten für den Einsatz gegen diese Nagetiere zugelassene Wirkstoffkonzentration anzuwenden.

Es ist wichtig zu verstehen, dass alle bekannten Resistenzmutationen, sowohl bei Ratten als auch bei Mäusen, mit Anwendungen der wirksamsten Antikoagulanzien der zweiten Generation, Brodifacoum, Difethialone und Flocoumafen, bekämpft werden können, und dass Resistenzen gegen einen dieser Wirkstoffe nicht bekannt sind.

Es ist wichtiger als je zuvor, dass Nagetiere in Resistenzgebieten vollständig bekämpftt werden. Dies geschieht am besten mit einer integrierten Strategie, die aus einer Kombination wirksamer Maßnahmen besteht, einschließlich des Einsatzes von nicht-antikoagulanten Rodentiziden, sofern diese verfügbar sind, sowie wirksamer Antikoagulanzien. Wenn nach dem Einsatz von Antikoagulanzien noch Restaktivitäten von Nagetiere identifiziert wird und diese nicht durch andere chemische Maßnahmen beseitigt werden können, wenden Sie eine intensive Fangmethode an, um verbleibende Nagetiere zu eliminieren. Begasung sollte ggf. auch in Betracht gezogen werden, vorausgesetzt, es wird von entsprechend fachkundigem Personal durchgeführt. Neue Fangmethoden und die elektronisch gestützte Detektion und -überwachung sollten in Erwägung gezogen werden, um den verbleibenden Befall zu beseitigen und den Erfolg der Bekämpfungsmaßnahmen nachzuweisen.

Wenn sich der einzelne Befall als resistent erweist oder einzelne resistente Tiere darin enthalten sind, ist es möglich, dass sich die Resistenzen über den behandelten Standort hinaus auf benachbarte Grundstücke erstrecken. Wenn Anzeichen dafür vorliegen, dass die sich Resistenzen über einen einzelnen Befall hinweg ausgebreitet hat, sollten Sie, wenn möglich, Flächen- oder Block-Bekämpfungsprogramme durchführen. Die Fläche für diese Art von Bekämpfung sollte mindestens bis an die Grenzen der bekannten Resistenzsgegend und idealerweise darüber hinaus reichen. Diese Programme müssen effektiv koordiniert werden und die oben identifizierten Verfahren umfassen. Notieren Sie sorgfältig die Details aller verwendeten Maßnahmen, so dass nützliches lokales Wissen über effektive und ineffektive Strategien zum Resistenzbekämpfung gesammelt wird.

Setzen Sie grundsätzlich keine gerinnunghemmende Rodentizide als Dauerköder ein. Setzen Sie Dauerköder nur dort ein, wo ein eindeutiges und feststellbares Risiko der Einwanderung oder Einführung besteht oder wo hoher Schutz erforderlich ist.

Tabelle 4: Polymorphismen im VKOR, und für die Bekämpfung der jeweiligen Stämme der Wanderratte (Rattus norvegicus) empfohlene  Wirkstoffe (+), auf Grundlage von BCR-Daten und Feldversuchen. Produkte, die mit (-) markierte Rodentizide enthalten, dürfen nicht zur Bekämpfung der jeweiligen Stämme eingesetzt werden.


VKORFür die Bekämpfung empfohlener (+) und nicht empfohlener (-) Wirkstoff
StammAntikoagulanzien der ersten GenerationBromadiolonDifenacoumBrodifacoumFlocoumafenDifethialon
L120Q---+++
L128Q--++++
Y139C---+++
Y139F--++++
Y139S-+++++

Tabelle 5: Polymorphismen der VKOR, die nachweislich Resistenzen gegen Warfarin bei der Hausmaus (Mus musculus) induzieren, und Wirkstoffe, die zu deren Bekämpfung empfohlen wurden (+). Gegen diese Wirkstoffe resistente Mausstämme sind mit (-) markiert.


VKOR PolymorphismFür die Bekämpfung empfohlene (+) und nicht empfohlene Wirkstoffe
StammFirst-generation anticoagulantsBromadiolonDifenacoumBrodifacoumFlocoumafenDifethialon
L120Qkeine Daten verfügbar+++
L128S--++++
Y139C--++++
Y139Skeine Daten verfügbar+++
R12W/A26S/ A48T/R61L (spretus-Introgression strain)---+++